Ukrainische Hrywnja Abwertung

         Hintergrund einer Informationskampagne über die Abwertung der ukrainischen Landeswährung Hrywnja ist das Bestreben russischer Machthaber, die Unterzeichnung des EU-Assoziierungsabkommens mit der Ukraine zu verhindern. Trotz einiger apokalyptischer Prognosen ist mit einer deutlichen Abwertung nicht zu rechnen.

Jedes Jahr, Ende Sommer, Anfang Herbst, versucht man in der Ukraine den Wechselkurs der nationalen Währung ins Wanken zu bringen. Meistens führten diese Versuche jedoch lediglich zu geringfügigen Kursschwankungen. In den 17 Jahren seit der Börsennotierung der Hrywnja kam es nur zweimal zu einer erheblichen Wechselkursanpassung – 1998 und 2008. Es sollte darauf hingewiesen werden, dass der Wechselkurs der Hrywnja zum US-Dollar ziemlich scharf von der Nationalen Bank kontrolliert wird. Und hierbei handelt es sich nicht notwendigerweise um administrative Maßnahmen.

         Eine solche Politik der Zentralbank kann unterschiedlich bewertet werden; sie hat sowohl ihre Vorteile als auch Nachteile, aber diese stehen nicht im Mittelpunkt des vorliegenden Artikels. In unserem Zusammenhang muss nur die Tatsache berücksichtigt werden, dass die Zentralbank den Wechselkurs wirksam beeinflussen und aufrechterhalten kann. Ohne dies in Betracht zu ziehen erweisen sich alle Wechselkursprognosen als ziemlich spekulativ.

         Jedenfalls sind die Experten bemüht, ihre Prognosen über eine unvermeidlich bevorstehende Hrywnja-Abwertung zu begründen. Heute werden die schrumpfenden Gold- und Devisenreserven als das häufigste Argument ins Feld geführt. Tatsächlich geht eine solche Reduzierung vor sich. Innerhalb der letzten acht Monate verringerten sich die Gold- und Devisenreserven um 2,9 Milliarden Dollar. Aber erstens muss dabei berücksichtigt werden, dass dies von einer Reduzierung der internationalen Staatsverschuldung begleitet wurde. Übrigens ebenfalls um 2,9 Milliarden Dollar. Deren Höhe ist derzeit niedriger als bei den meisten europäischen und vielen anderen Ländern. Niedriger ist auch die allgemeine Staatsverschuldung, die aktuell bei weniger als 40 Prozent liegt.

         Zweitens besteht die Aufgabe der Regierung und der Zentralbank nicht darin, Gold- und Devisenreserven als solche anzulegen. Diese sind notwendig, um internationale Staatsverschuldungsverpflichtungen zu erfüllen sowie um den Währungskurs stabil zu halten. Für diese Zwecke reichen aber die vorhandenen Reserven vollkommen aus. Die Zentralbank und die Regierung begleichen laufende internationale Schulden in vollem Umfang und ohne Verzug. Auch für die nächsten Jahre werden die Reserven durchaus reichen.

         Drittens sollte man den Standpunkt der Regierung in die Überlegungen mit einbeziehen, die stets betont, dass sie es nicht für angebracht hält, auf internationale Finanzhilfe zurückzugreifen, um die Reserven um jeden Preis aufzustocken. Die Höhe der Staatsverschuldung bedeutet keine Gefahr für Geldgeber.

         Viertens wird die Stabilität auf dem inländischen Devisenmarkt durch Deviseneinnahmen auf dem Binnenmarkt gewährleistet. Man muss bedenken, dass wir eine positive Zahlungsbilanz haben, folglich wird das Devisenvolumen nicht kleiner, sondern größer.

         Wenn man dies alles berücksichtigt, so scheinen alle Spekulationen über eine unvermeidliche Hrywnja-Abwertung ziemlich übertrieben, und dies erst recht, wenn man die Position der Zentralbank hinzunimmt, die keine ernsthaften ökonomischen Anhaltspunkte hierfür sieht, ja es für unerwünscht hält.

         Aber in den vergangenen Jahren waren die herbstlichen Versuche an der Situation auf dem Währungsmarkt zu rütteln mit dem Spiel aggressiver Spekulanten zu erklären. In diesem Jahr ist die Informationskampagne über die Hrywnja-Abwertung vielmehr mit einer Reihe von politischen Faktoren verbunden.

         Vor allem geht es um das Bestreben russischer Machthaber die Unterzeichnung des EU-Assoziationsabkommens mit der Ukraine zu verhindern. Dafür würden sie gerne die wirtschaftliche und politische Lage in der Ukraine destabilisieren, negative Erwartungen schüren, was zu Panik auf dem Geldmarkt führen soll.

         Naheliegend ist auch gewisses Interesse am Wertverlust der Hrywnja und Verschlechterung der allgemeinen wirtschaftlichen Situation bei oppositionellen Kräften. In der Ukraine ist der heiße Atem der Präsidentschaftswahl 2015 schon zu spüren.

         Ein weiterer Grund für die aufgebauschten negativen Prognosen über den Hrywnja-Kurs kann mit Erwartungen zu tun haben, die Regierung könnte auf dem internationalen Anleihemarkt aktiv werden und würde Kredite zu den erstbesten Bedingungen aufnehmen. Das heißt, möglicherweise versucht jemand von der Ertragserhöhung ukrainischer Eurobonds zu profitieren. Aber in diesem Fall sollte man sich die von der Regierung angekündigte Politik vor Augen halten, die internationale Verschuldung durch Binnenstaatsanleihen konsequent ersetzen zu wollen. Deshalb würde sie den internationalen Anleihemarkt erst dann nutzen, wenn die Bedingungen für sie günstig erscheinen. Diese Pläne könnten durch die jüngste Entscheidung des US-Reservesystems gefördert werden, die aktuelle monatliche Einlösungsmenge für Wertpapiere aufrechtzuerhalten. Dies dürfte Investoren optimistischer stimmen und die Nachfrage nach Staatsanleihen steigern.  

         Zweifelsohne bleibt die wirtschaftliche Situation in der Ukraine ziemlich angespannt. Die geplanten Fiskuseinnahmen werden in diesem Jahr nicht erfüllt, folglich wird sich die Regierung veranlasst sehen, die Staatsausgaben zu reduzieren und in erster Linie Entwicklungsprojekte auf Eis zu legen, auch wenn dies nicht offiziell publik gemacht wird.

         Gestern lese ich, dass die Nationalbank der Ukraine den offiziellen Kurs der landeseigenen Währung, Griwna, gegenüber fremden Währungen auf ein neues historisches Tief gesenkt hat. Seit Jahresbeginn ist der Wechselkurs der ukrainischen Währung zum US-Dollar damit um über 67 Prozent gefallen. Die Ackergebiete der Ukraine beispielsweise, werden so zu einer billigen, durch Abwertung der eigenen Währung, zu einer stark rabattierten Beute ausländischen Kapitals.

         Für sich genommen ist das aber kein triftiger Grund für den Wertverlust der nationalen Währung.

         Also, trotz aller wirtschaftlichen Probleme ist mit einer Hrywnja-Abwertung nicht zu rechnen. Diese ist eher unwahrscheinlich und hängt vom politischen Druck ab, den die Ukraine in den nächsten Monaten zu spüren bekommen wird. Aber das politische Gewicht jener ukrainischen und europäischen Kräfte, die an der Unterzeichnung des Assoziationsabkommens interessiert sind, ist groß genug, um die Stabilität der politischen und wirtschaftlichen Situation in der Ukraine aufrechtzuerhalten.

        

        


 

Referenzliste

1. http://www.euractiv.de/ukraine-und-eu/analysen/bertriebe-spekulationen-ber-eine-unvermeidliche-hrywnja-abwertung-008149

2. http://principiis-obsta.blogspot.com/2014/08/nazi-regierung-der-ukraine-stabil-wie.html

3. http://www.google.com.ua/url?sa=t&rct=j&q=gestern%20lese%20ich%2C%20dass%20die%20nationalbank%20der%20ukraine%20den%20offiziellen%20kurs%20der%20landeseigenen%20w%C3%A4hrung%2C%20griwna%2C%20gegen%C3%BCber%20fremden%20w%C3%A4hrungen%20auf%20ein%20neues%20historisches%20tief%20gesenkt%20hat.%20seit%20jahresbeginn%20ist%20der%20wechselkurs%20der%20ukrainischen%20w%C3%A4hrung%20zum%20us-dollar%20damit%20um%20%C3%BCber%2067%20prozent%20gefallen.%20die%20ackergebiete%20der%20ukraine%20beispielsweise%2C%20werden%20so%20zu%20einer%20billigen%2C%20durch%20abwertung%20der%20eigenen%20w%C3%A4hrung%2C%20zu%20einer%20stark%20rabattierten%20beute%20ausl%C3%A4ndischen%20kapitals.&source=web&cd=3&ved=0CDAQFjAC&url=https%3A%2F%2Fforum.all-ein.net%2Findex.php%3Ftopic%3D1261.150&ei=9WeQVManHcrnywOBxoLwBw&usg=AFQjCNHRmUk6-aHyDqrOAcdvR9p-NfEtJQ&bvm=bv.81828268,d.bGQ

4. http://befree67.beepworld.de/februar-2014.htm