Ôèëîëîãè÷åñêèå íàóêè / 3.Òåîðåòè÷åñêèå è ìåòîäîëîãè÷åñêèå ïðîáëåìû èññëåäîâàíèÿ ÿçûêà
Dr.
phil. Kiyko S.V.
Nationale
Universität Czernowitz, Ukraine
Etymologische Quellen der deutsch-ukrainischen interlingualen
Homonyme
Interlinguale
Homonyme (IH) definiert man als Wörter zweier oder mehrerer Sprachen, die sich bei
gleicher oder ähnlicher graphischer und/oder phonemischer Form in ihrem
semantischen Gehalt unterscheiden [5: 202]. Die meisten Beiträge zu IH
behandeln vor allem deren alternative Benennungen, Definitionen, Klassifikationsvorschläge
und Aufbauprinzipien von vorhandenen Wörterbüchern der faux amis (vgl. [2; 6; 7; 9; 10; 11]).
Dabei bleiben Entstehungswege der IH außer Acht. In diesem Beitrag will
ich deshalb auf etymologische Quellen der deutsch-ukrainischen IH eingehen und
die Genesis der gleich lautenden Wörter in beiden Sprachen verfolgen.
Als
Grundlage der empirisch angelegten Studie dienen 2719 interlinguale Homonympaare
und -reihen, die den
Bedeutungswörterbüchern des Deutschen [1] und des Ukrainischen [3]
entnommen sind. Die Auswahl der Stichwörter
erfolgte auf Grund der synchronisch-konfrontativen Analyse des Wortschatzes
der deutschen und der ukrainischen Literatursprache der Gegenwart. Die
Eintrage aus obigen Lexika, die meiner Auffassung nach als IH bestimmt werden
könnten (vgl. [4]), sind für die Untersuchung entnommen und
verzettelt worden.
Die Entstehung der IH kann man generell
mit dem Aufkommen der innersprachlichen Homonyme vergleichen. L. Ìàlachowski [9: 10] nennt
drei Entstehungswege der innersprachlichen Homonyme: 1)
phonologische Konvergenz, d.h. durch den Lautwandel verursachter Zusammenfall
der Significantia zweier ursprünglich verschieden lautender Zeichen
durch Lautwandel; 2) semantische Divergenz, d.h.
durch semantischen Wandel verursachter Zerfall eines polysemen Zeichens zu unabhängigen
Significata; 3) Entlehnung eines Wortes, das formell mit
dem in der Sprache vorhandenen Wort zusammenfällt.
Man könnte annehmen, dass die Hauptquelle der Entstehung von interlingualen Homonymen Entlehnungen sind, weil man
mit zwei unabhängigen sprachlichen Systemen zu tun hat. Unter Entlehnung wird in diesem Beitrag generell die
Übernahme sprachlicher Bestandteile aus einer Sprache in eine andere verstanden. Bei der
lexikalischen Entlehnung wird ein Wortkörper mit seiner Bedeutung oder
einem Teil dieser Bedeutung aus einer Kontaktsprache (Quellsprache) in eine
Nehmersprache übernommen und bildet dort ein Lehnwort im engeren Sinne (mit Anpassung an
Flexion, Aussprache- und
Schreibgewohnheiten der Nehmersprache) oder ein Fremdwort (ohne oder mit geringer Anpassung
dieser Art).
Die durchgeführte Analyse der
ukrainisch-deutschen IH lässt drei Ursachen ihrer Entstehung nennen: 1) Vererbung des Wortes aus einer gemeinsamen Ursprache; 2) Entlehnung aus einer Sprache in die andere; 3) parallele
Entlehnung aus einer Drittsprache. Diese
Prozesse kann man folgenderweise darstellen (s. Abb. 1):
|
|
Ursprachen Wort W |
|
|
|
|
|
|
|
|
Sprache 3 Wort
W |
||||||||
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Sprache 1 Wort
W’ |
|
|
||||||||
|
Sprache 1 Wort
W’ |
|
Sprache 2 Wort W” |
|
Sprache 1 Wort W’ |
|
Sprache 2 Wort W” |
|
|
|
Sprache 2 Wort
W” |
||||||||
|
Vererbung
des Wortes aus einer gemeinsamen Ursprache |
Entlehnung
aus einer Sprache in die andere |
Parallele
Entlehnung aus einer Drittsprache |
||||||||||||||||
Abb. 1. Entstehungswege der deutsch-ukrainischen IH
Seltener kommen komplexere Fälle der IH-Entstehung vor, wie z.B. Entlehnung
der etymologisch verwandten Wörter aus zwei verschiedenen Sprachen.
In diachronischer Hinsicht lassen
sich folgende drei Gruppen der ukrainisch-deutschen IH unterscheiden:
1) IH, die aus einer gemeinsamen Ursprache entlehnt wurden (38 Fälle, 1,4 %), z.B. ukr. áîáåð und dt. der Biber stammen
aus der indogermanischen Urform mit der Bedeutung "braun"; den Wörtern ukr. áóê und dt. die Buche liegt das gemeinsame Etymon *bhāgo "Buche"
zugrunde. Diese Gruppe ist relativ klein, weil sich ukrainische und deutsche Lexeme gleicher Herkunft infolge der phonetischen Entwicklung (I. und II. Lautverschiebung im Deutschen, Palatalisierungsprozesse und Volllautung im Ukrainischen, Zugehörigkeit zu Kentum- oder Satemsprachen, das Vernersche Gesetz) in der Aussprache bedeutend unterscheiden, z.B.: ukr. çåðíî [zer´no] – dt. das Korn, ukr. òåðåí [´teren] – dt. der Dorn, ukr. ìàçàòè [´mazaty] – dt. machen;
2) Entlehnung aus einer Sprache in die andere, fast
ausschließlich aus dem Deutschen ins Ukrainische durch
Vermittlung des Polnischen oder des Russischen (191 Fälle, 7 %), z.B. dt. das Butterbrot "mit Butter (oder Margarine) bestrichene
Scheibe Brot" – ukr. áóòåðáðîò "belegtes Brötchen"; ukr. äóìà "Gedanke, Annahme; (Literaturwiss.) lyrisch-episches
Volkslied; (hist.) Parlament im zaristischen Russland" – dt. die Duma
"(hist.) Parlament im zaristischen Russland; ukrainisches Volkslied";
3) parallele Entlehnungen aus
der Drittsprache (2490 Fälle, 91,6 %), z.B. ukr. áàãíåò
und dt. Bajonett stammen aus dem franz. baionette, einer Adjektiv zur französischen Stadt Bayonne, wo man zum ersten Mal diese Waffe hergestellt hat. Infolge der semantischen Entwicklung weichen die Nebenbedeutungen der Lexeme voneinander ab, vgl. ukr. áàãíåò
"auf das
Gewehr aufsetzbare Hieb-, Stoß- u. Stichwaffe mit Stahlkleinge; (übertr.) Infanterist" – dt. Bajonett "auf
das Gewehr aufsetzbare Hieb-, Stoß- u. Stichwaffe mit Stahlklinge; (Technik) Bajonettverschluss".
Nach der etymologischen Quelle lassen sich die
untersuchten IH in folgende Entlehnungsgruppen teilen:
·
1531 homonymische Reihen (56,3 %) wurden aus dem Lateinischen übernommen, z.B. ukr. òåðì³í1 "festgelegter Zeitpunkt;
Zeitspanne bis zu einem Ereignis", òåðì³í2 "Fachausdruck; (ugs.)
beliebiges Wort" und dt. der Termin "festgelegter Zeitpunkt;
das Treffen zu einem Termin; (Rechtsspr.) Zeitpunkt für eine Gerichtsverhandlung" (< mlat. terminus "Zahlungsfrist" < lat. terminus "Grenzzeichen");
·
334 homonymische Reihen (12,3 %) stammen aus dem Griechischen, z.B. ukr. àãîí³ÿ "Todeskampf; (übertr.) die letzten Zuckungen
einer Sache" und dt. die Agonie "Todeskampf" (< griech. agonía "Kampf; Angst"); dt. der /
das Meteor "Leuchterscheinung,
die durch in die Erdatmosphäre eindringende feste kosmische Körper
hervorgerufen wird" – ukr. ìåòåîð "ein fester
kosmischer Körper; fallender Stern" (< griech. metéoron
„Himmelserscheinung”). Diese Gruppe ist im Vergleich zu den lateinischen Entlehnungen relativ klein, weil griechische Herkunft im Ukrainischen und Deutschen meistens Pflanzen-, Mineralien-, Chemikalienbezeichnungen u.Ä. aufweisen. Solche Wörter sind in der Regel monosemantisch und rufen keine
Interferenzfehler hervor, d.h. sie zählen nicht zur IH, z.B. ukr. àöåòèëåí – dt. das Acetylen, ukr. àãàò – dt. der Achat u.a.;
·
268 homonymische Reihen (9,9 %)
sind aus dem Französischen entlehnt. Hier handelt es sich um Wörter, die
einen französischen (nicht den lateinischen) Ursprung aufweisen, z.B.:
dt. Krawatte "Schlips;
Würgegriff; (Medizin) Verband in Form einer Halskrause" und
ukr. êðàâàòêà "Halstuch" stammen aus franz. cravate "kroatisch" als
Bezeichnung für die Halsbinde, die kroatische Reiter im XVII.
Jh. während des 100-jährigen Krieges trugen;
·
187 Wörter (6,9 %) gelangen ins Ukrainische aus dem Deutschen, etwa dt. das
Halstuch "um den Hals getragenes Tuch" – ukr. ãàëñòóê "Schlips";
·
112 homonymische Reihen (4,1 %) stammen aus dem Englischen: dt. das / die Jam "Marmelade" – ukr. äæåì "Konfitüre aus Obst und Beeren" (< engl. to jam "kräftig pressen");
·
59 homonymische Reihen (2,2 %) haben ihren Ursprung im Italienischen: dt. die Büste "plastische Darstellung eines Menschen in Halbfigur oder
bis zur Schulter; weibliche Brustpartie; (Schneiderei) Schneiderpuppe" – ukr. áþñò "Brustpartie; plastische Darstellung eines Menschen in Halbfigur" (< ital. busto "Büste");
·
27 homonymische Reihen (1 %) weisen einen gemeinsamen Ursprung aus den altgermanischen Sprachen auf, z.B. dt. Rang "Stellung; Stellenwert; Teil des
Zuschauerraums im Theater; Gewinnklasse im Lotto; (Sport) Platz" – óêð. ðàíã "Dienstgrad; Stellenwert; Kategorie, Qualifikationsstufe" (< germ. (h)ring "Kreis");
·
24 homonymische Reihen (0,9 %) stammen aus dem Russischen, z.B. ukr. áàíÿ "Sauna; (übertr., ugs.) Prügel; (Chemie) Heizbad" – dt. die
Banja "öffentliches russisches [Dampf]bad" (< russ. áàíÿ "Sauna,
Dampfbad");
·
23 homonymische Reihen (0,8 %) führt man auf das Arabische zurück, z.B. dt. Admiral "(Militär) Dienstgrad der Offiziere bei der Marine; (Militär) Offizier dieses Dienstgrades;
(Zoologie) Tagfalter; (Kochkunst) warmes Getränk aus Rotwein" – ukr. àäì³ðàë "(Militär) Dienstgrad der Offiziere bei der Marine; (Militär) Offizier dieses
Dienstgrades" (< àrab. amir(ar-rahl)
"Befehlshaber");
·
13 homonymische Reihen (0,5 %) entstanden als
Lautnachahmung, z.B. dt. der Jodler "jemand, der jodelt; Lied mit gejodeltem Kehrreim;
kurzes Jodeln" – óêð. éîäëåð "Genre des Volkliedes" (< von dem Jodelruf jo
abgeleitet);
·
12 homonymische Reihen (0,4 %) stammen aus dem Spanischen, z.B. ukr. êàôåòåð³é "Kaffeehaus" – dt. die Cafeteria "Imbissstube; Restaurant mit Selbstbedienung" (< span. cafeteria "Kaffeegeschäft");
·
10 homonymische Reihen (0,4 %) sind aus dem
Holländischen entlehnt, z.B. dt. der Mops
"kleiner, kurzhaariger Hund; (salopp) dicke
kleinere Person; (salopp) Geld; (salopp) weibliche Brüste"– ukr. ìîïñ "Hunderasse; ein Hund dieser Rasse" (< niederl. moppen "murren; mürrisch
sein").
Die restlichen homonymischen Reihen (81 Beispiele, 2,9 %) weisen als genetische Quelle andere slawische (Tschechisch, Polnisch, Ukrainisch, Serbisch, Kroatisch, Slowenisch), romanische (Portugiesisch, Rumänisch), germanische (Isländisch, Norwegisch), keltische (Bretonisch), semitische (Hebräisch, Aramäisch, Altägyptisch), türkische, finnisch-ugrische, indische, sinotibetische, austronesische (Maori), afrikanische Sprachen, z.B. ukr. äèâàí "Sofa" und dt. der Diwan "(veraltend) niedriges Liegesofa; (Literaturwiss.)
orientalische Gedichtsammlung; (früher) Staatsrat im Osmanischen
Reich" (< türk. divan < persisch diwan "Schreib-, Amtszimmer"); ukr. áàëüçàì "Gemisch aus Harzen und
ätherischen Ölen; (übertr.) Heilmittel" – dt. der Balsam "Gemisch
aus Harzen und ätherischen Ölen; (gehoben) Linderung, Wohltat" (mhd. balsame, ahd. balsamo < lat. balsamum
< griech. bálsamon < aus den semitischen Sprachen) u.a. (s. Tab. 1):
Tabelle 1
Genetische Quellen der
deutsch-ukrainischen interlingualen Homonyme
|
Sprache |
Substantive |
Adjektive |
Verben |
Adver-bien |
Interjek-tionen |
Gesamt |
|
Griechisch |
258 |
68 |
8 |
|
|
334 |
|
Romanische
Sprachen, davon |
1483 |
250 |
142 |
– |
– |
1875 |
Latein
|
1202 |
223 |
106 |
– |
– |
1531 |
|
Französisch |
217 |
19 |
32 |
– |
– |
268 |
|
Italienisch |
52 |
4 |
3 |
– |
– |
59 |
|
Spanisch |
9 |
3 |
– |
– |
– |
12 |
|
Portugiesisch |
2 |
1 |
1 |
– |
– |
4 |
|
Rumänisch |
1 |
– |
– |
– |
– |
1 |
|
Germanische
Sprachen |
285 |
17 |
35 |
2 |
– |
339 |
Altgermanische Sprachen
|
18 |
5 |
4 |
|
– |
27 |
|
Englisch |
98 |
6 |
6 |
2 |
– |
112 |
|
Deutsch |
157 |
6 |
24 |
– |
– |
187 |
|
Niederländisch |
9 |
– |
1 |
– |
– |
10 |
|
Norwegisch |
1 |
– |
– |
– |
– |
1 |
|
Isländisch |
2 |
– |
– |
– |
– |
2 |
Slawische
Sprachen
|
42 |
– |
– |
1 |
– |
43 |
Russisch
|
24 |
– |
– |
– |
– |
24 |
|
Polnisch |
2 |
– |
– |
1 |
– |
3 |
|
Tschechisch |
4 |
– |
– |
– |
– |
4 |
|
Serbokroatisch |
3 |
– |
– |
– |
– |
3 |
|
Slowenisch |
1 |
– |
– |
– |
– |
1 |
|
Ukrainisch |
3 |
– |
– |
– |
– |
3 |
|
Andere slawische Sprachen |
5 |
– |
– |
– |
– |
5 |
|
Semitische
Sprachen |
34 |
– |
– |
– |
– |
34 |
|
Arabisch |
23 |
– |
– |
– |
– |
23 |
|
Hebräisch |
7 |
– |
– |
– |
– |
7 |
|
Aramäisch |
2 |
– |
– |
– |
– |
2 |
|
Altägyptisch |
2 |
– |
– |
– |
– |
2 |
|
Indische
Sprachen |
6 |
1 |
– |
– |
– |
7 |
|
Altindische Sprachen |
4 |
1 |
– |
– |
– |
5 |
|
Sanskrit |
2 |
– |
– |
– |
– |
2 |
|
Indianische Sprachen |
4 |
1 |
– |
– |
– |
5 |
|
Keltische Sprachen |
2 |
1 |
– |
– |
– |
3 |
|
Finno-ugrische Sprachen |
1 |
– |
– |
– |
– |
1 |
|
Türkische Sprachen |
6 |
– |
– |
– |
– |
6 |
|
Iranische Sprachen |
10 |
1 |
– |
– |
– |
11 |
|
Sinotibetische Sprachen |
1 |
– |
– |
– |
– |
1 |
|
Afrikanische Sprachen |
3 |
– |
– |
– |
– |
3 |
|
Austronesische Sprachen |
1 |
– |
– |
– |
– |
1 |
|
Japanische Sprache |
5 |
– |
– |
– |
– |
5 |
|
Indogermanische Ursprache |
30 |
6 |
2 |
– |
– |
38 |
|
Lautnachahmung |
1 |
– |
2 |
– |
10 |
13 |
|
Gesamt |
2172 |
345 |
189 |
3 |
10 |
2719 |
Der Tabelle 1 lässt sich entnehmen, dass über zwei
Drittel interlingualer Homonyme auf romanische Sprachen zurückzuführen sind (1875 Wortreihen, 69 % der Auswahl). Dies ist sowohl durch historischen und kulturellen Einfluss Lateins auf alle europäischen Sprachen, als auch durch verstärkte sprachliche Kontakte der
germanischen und romanischen Sprachen als Folge ihrer
territorialen Nähe bedingt.
Ein Fünftel weniger Wortreihen der IH stammen aus den germanischen Sprachen (339 Fälle, 12,5 %) und dem Griechischen (334 Beispiele, 12,3 %). Hinter kommen mit Abstand IH mit genetischen Wurzeln in den slawischen (43; 1,6 %), semitischen (34; 1,3 %) und iranischen (11; 0,4 %) Sprachen, z.B. dt. die Datscha "russisches Holzhaus; Wochenendhaus" – ukr. äà÷à "Sommerhaus außerhalb der Stadt; Haus
am Stadtrande" (< russ. äà÷à "Haus außerhalb der Stadt für befristeten
Aufenthalt" < "der vom Fürsten geschenkte
Boden"), dt. Havarie "(Seewesen, Flugwesen) Unfall von Schiffen und Flugzeugen; durch einen Unfall
verursachter Schaden; Beschädigung; (österr.) Unfall eines KFZ;
(österr.) Schaden an einem KFZ" – ukr. àâàð³ÿ "Schaden
an technischen Anlagen; (ugs.) Pech, Unglück" (<
arab. awār "Beschädigung; Fehler")
u.a.
Aus den indischen, türkischen, indianischen, keltischen, afrikanischen Sprachen sowie aus dem Japanischen wurden vor allem Exotismen, kulturelle und religiöse Begriffe übernommen, etwa dt. das Brahman "Weltseele, magische Kraft der indischen Religion" – ukr. áðàõìàí "indischer Priester" (< sanskr. brahman "Gebet, geheimnisvolle Macht"), dt. der Kosak "Angehöriger einer militärisch organisierter Bevölkerungsgruppe im zaristischen Russland; bewaffneter Reiter; Kosakenpferd" – ukr. êîçàê "freier Mann aus den Leibeigenen; Angehöriger einer militärisch organisierter Bevölkerungsgruppe im zaristischen Russland; Bewohner der ehemaligen Militärgebiete; Bursche, Junggeselle; (ugs.) kühner, wagenmutiger Mann; Volkstanz" (< tatarisch. kazak "freier Mensch; Abenteurer"), dt. der Kimono "langes
japanisches Kleidungsstück mit weiten Ärmeln" – ukr. ê³ìîíî "nationale japanische Tracht; breites Kleid
mit besonderem Ärmelschnitt"
(< japan. kimono "Gewand") u.a.
Je ein Wortpaar stammt aus finno-ugrischen, sinotibetischen und austronesischen Sprachen: dt. der Csardas "ungarischer Nationaltanz" – ukr. ÷àðäàø "ungarischer Nationaltanz; Melodie dieses Tanzes" (< ugr. ñsárdás "Csardas"), dt. der Lama "lamaistischer Priester, Mönch" – ukr. ëàìà "buddhistischer
Mönch" (< tibet. (b)lama "der Obere"), dt. der Kiwi "flugunfähiger Laufvogel auf Neuseeland; (Jargon) Neuseeländer" – ukr. ê³â³ "flugunfähiger Laufvogel auf Neuseeland" (< Maori kiwi „Kiwi”).
Die bisher behandelten
Fälle stellen etymologische Quellen der deutsch-ukrainischen IH dar. Von
Bedeutung ist aber die Analyse der historischen Quellen der IH, weil die Letzten in der Regel durch verschiedene
Sprachen ins Deutsche und Ukrainische vermittelt und dadurch wesentlich
geprägt wurden. So stammen ukr. ãðîø³ und dt. der Groschen aus lat.
grossus "dick; schwer". Ins Deutsche wurde der Groschen aus dem mittelalterlichen Latein (mlat. (denarius) grossus "Dickpfennig")
entlehnt,
dagegen kam das ukr.
ãðîø³ aus dem Polnischen,
das seinerseits dieses Wort aus dem Tschechischen
übernommen hat, wo es zum ersten Mal im 14. Jh.
aus dem Mittellateinischen entlehnt wurde und in
der Bedeutung "Geldeinheit" belegt ist. Die Analyse der
historischen Quellen wird in erster Linie der Rekonstruktion historischer Sachverhalte dienen und zahlreiche Ansatzpunkte
für die Erforschung des Sprach- und Bedeutungswandels bieten.
Aknowledgement. This project was made possible by a generous research grant from the
Alexander von Humboldt Foundation. I am heartily thankful to my supervisor,
Prof. Dr. Ulrich Steinmüller, TU Berlin, whose support enabled me to
develop an understanding of the subject.
Literaturverzeichnis:
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Duden. Deutsches Universalwörterbuch /
Hrsg. von G. Drosdowski. – [6. Aufl.]. – Mannheim / Wien / Zürich :
Dudenverlag, 2006. – 1816 S.
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Ionescu A. "Falsche Freunde".
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3.
Jaremenko V. Novyj tlumanyj slovnyk ukrajinskoji movy v 4-h tomah / Jahremenko V., Slipuschko O. – Kyjiv: Àkonit, 1999. – 910 S., 911 S., 927 S., 941 S.
4.
Kiyko S. Zum Projekt des Worterbuches
der ukrainisch-deutschen und deutsch-ukrainischen Falschen Freunde des
Ubersetzers / S. Kiyko // Linguistik im Schloss. Linguistischer Workshop Wartin
2005. – Czernowitz: Bukrek, 2005. – S. 79–99.
5.
Kiyko
S. Metalexikographische Überlegungen zum Wörterbuch der deutsch-ukrainischen Falschen Freunde des
Übersetzers
/ S. Kiyko // Lexicographica. International Annual for Lexicography.
– 2013. – S. 199-221.
6.
Klein H.-W. Schwierigkeiten des deutsch-französischen Wortschatzes. Germanismen – faux amis / H.-W. Klein. –
Stuttgart: Klett, 1984. – 400
S.
7.
Kroschewski A. „False friends“ and „true friends“: Ein Beitrag zur
Klassifizierung des Phänomens der intersprachlich-heterogenen Referenz
und zu den fremdsprachendidaktischen Implikationen / A. Kroschewski. – Frankfurt a. M.:
Lang, 2000. – 598 S.
8.
Lipczuk R. Semantische Relationen im Bereich der lexikalischen
Tautonyme im Deutschen und Polnischen. In: Studien
zum polnisch-deutschen Sprachvergleich / R. Lipczuk. – Kraków: Zeszyty
Naukowe Uniwersytetu Jagiellońskiego, 1985. – Nr. 80 (2). – S. 61-72.
9.
Malachowski L. Teorija leksičeskoj i
grammatičeskoj omonimii / L. Malachowski. – Moskau: Librokom, 2009. –
248 S.
10.
Parianou
M. "Falsche Freunde" im Sprachenpaar (Neu-)Griechisch – Deutsch / M.
Parianou. – Frankfurt a.M. [u.a,]: Lang, 2000. – 240 S.
11.
Petersen
H. Das Phänomen Falsche Freunde im Lichte unterschiedlicher Beschreibungsmodelle
/ H. Petersen. – Kassel: GHB, 1990. –
216 S.